zurück   Stuttgarter Nachrichten, 08/2003

Der Freeware PC
100 Prozent Rabatt auf alle Artikel

30, 40 sogar bis zu 50 Prozent – die Händler wetteiferten in den vergangenen Wochen mit Preisnachlässen. Doch die Reduzierungen im wahrscheinlich letzten Sommerschlussverkauf sind Peanuts im Gegensatz zu den Schnäppchen, die im Internet zu finden sind. 100 Prozent Rabatt sind dort keine Seltenheit.

Das Teuerste an einem PC ist nicht etwa der Prozessor, die Grafikkarte oder die Festplatte. Es ist die Software. In der Summe der Programme können da schon leicht mehrere tausend Euro zusammenkommen. Es geht aber auch kostenlos – nicht mit Raubkopien, sondern ganz legal mit Freeware. Zu fast jeder kommerziellen Software gibt es ein kostenloses Pendant, das für Normalnutzer ausreichend Funktionen bietet.
Freeware sollte nicht mit Test-Versionen (Trial-Version) kommerzieller Programme oder mit Shareware verwechselt werden. Für Letztere muss der Anwender nach Ablauf einer meist 30-tägigen Testphase bezahlen, Trial-Versionen stellen nach diesem Datum ihre Arbeit gänzlich ein. Freeware-Programme dagegen sind voll funktionsfähig und von Anfang an kostenlos. Sie dürfen allerdings nicht kommerziell weitervertrieben werden, da die Urheberrechte beim Programmierer verbleiben.

Viele kostenlose Programme kommen aus Open Source Projekten. Autoren weltweit schreiben dabei gemeinsam an einem Programm. Jeder Nutzer darf den frei zugänglichen Quellcode erweitern oder verändern. Ein Highlight der Gemeinde ist OpenOffice.org (www.openoffice.org), ein komplettes Paket aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm, das es im Heimanwenderbereich locker mit Word, Excel und Powerpoint aufnehmen kann. Schließlich basiert die Office Suite auf dem inzwischen kommerziellen Star Office.

Wo Licht ist, da ist auch allerdings auch Schatten. Manche, ansonsten hochwertige Freeware-Programme glänzen nicht eben mit Bedienerfreundlichkeit. Ein Beispiel hierfür ist Gimp (www.gimp.org), das „GNU Image Manipulation Program“. Ob nun aus Affinitäten gegenüber einem bekannten Software-Konzern oder aus Liebe zum Detail, die Programmierer haben alles daran gesetzt, dass die Windows-Version dem Original-Gimp, das für Linux entwickelt wurde, wie ein Ei dem anderen gleicht. Es ist daher anfangs für Windows-Nutzer nicht einfach, sich in der Fensterwirtschaft zurecht zu finden. Selbst Mauszeiger und Auswahlmenüs präsentieren sich im ungewohnten Linux-Look. Gimp an sich eignet sich aber dank der Funktionsvielfalt sogar für professionelle Anwender: Alle wesentlichen Werkzeuge zur Bildbearbeitung sind vorhanden, Gimp kann Skript-Dateien verarbeiten und neben den schon integrierten Grafikeffekten auch alle vorhandenen Plug-ins des kommerziellen Konkurrenten Photoshop von Adobe nutzen.
Manchmal bedarf es auch zwei verschiedener Freeware-Programme, um die Funktionsvielfalt einer kommerziellen Software zu erreichen. Was mit Gimp nicht gelingt, steuert die Bildbearbeitung Oriens Enhancer Gold bei (www.oriens-solution.com). Besonders Fotos können mit der Freeware hervorragend nachbearbeitet oder mithilfe der vielen Effekte manipuliert werden.

Nicht aus idealistischen Gründen sondern mehr zu Werbezwecken locken manche Hersteller mit kostenlosen aber abgespeckten Versionen ihrer Software oder mit voll funktionsfähigen Vorgängerversionen eines aktuellen Programmes. Der Grafikspezialist Zoner bietet das vektorbasierte Zeichenprogramm Zoner Draw 3 zum kostenlosen Download an (www.zoner.com), ohne dabei zu vergessen, auf die aktuelle Kaufversion 4 hinzuweisen. Eine sehr gute Firewall gibt es mit Zone Alarm bei Zone Labs kostenlos (www.zonelabs.com), für die erweiterten Funktionen der Plus- und Pro-Version muss bezahlt werden. Den kostenlosen Schutz des PCs vor Angreifern macht der Virenscanner Anti Vir Personal Edition (www.free-av.de) von H+BEDV komplett – Heimanwender kostet das Programm keinen Cent.

Es ist durchaus möglich, einen Windows-PC mit Software auszustatten, so dass unter dem Strich eine Null steht. Allein mit diesen wenigen Beispielen kann ein Computer-Besitzer bis zu 1700 Euro sparen (weitere Freeware s. Tipps) – bei einigen Freeware-Programmen allerdings leider auf Kosten der Bedienungsfreundlichkeit.

 

Tipps zum Thema

Pegasus Mail (www.pmail.com) ist der Klassiker unter den E-Mail-Programmen und darüberhinaus noch sehr leistungsstark. In Kombination mit dem Open Source Programm „Spampal“ (www.spampal.de) ist das Postfach zudem Werbemail geschützt. Die ist zwar auch kostenlos, allerdings eher lästig.

Eigene Internetseiten lassen sich mit den textbasierten HTML-Editoren Phase 5 (www.qhaut.de) und EdHTML 5 (binboy.org/bs) erstellen. Letzterer spricht zwar auch in der deutschen Übersetzung noch manchmal die polnische Sprache seines Programmierers, ist aber für professionelle Webentwickler wegen der vielen verwendbaren Skriptsprachen zu empfehlen. Mit SmartFTP (www.smartftp.de) können die so erstellten Webseiten anschließend einfach und sehr übersichtlich auf einen Server geladen werden.

Die Komprimierungsprogramme Optimal Archive (www.optimalaccess.com) oder Pszip (www.pszip.de) archivieren Dateien bequem und einfach in das „Winzip“-Format.

Ein Blick auf die vielen Computerzeitschriften beigelegten Heft-CDs lohnt sich allemal. Monatlich locken die Fachmagazine mit einigen kostenlosen Vollversionen. Meist sind das zwar Vorgänger der aktuellen Kaufversion eines Programms oder im Funktionsumfang eingeschränkte „Specials Editions“ (SE). Nichtsdestotrotz erfüllt auch diese Software ihren Zweck.

Bei den einschlägigen Internet-Portalen wie www.freeware.de oder www.freewarestar.de sind die Programme nach Kategorien sortiert, kommentiert und von Anwendern bewertet. Außerdem bieten Foren Hilfe bei Softwareproblemen. Ein englischsprachiges und leider werbebeladenes Freeware-Portal www.freewarefiles.com.

Neben Freeware gibt es bei www.download.de und dem Klassiker www.tucows.de auch Shareware und Trial-Versionen kommerzieller Programme.

Das größte Netz-Portal in Sachen Open Source ist www.sourceforge.net . Hier finden sich sortiert und katalogisiert knapp 75.000 gemeinsame Projekte weltweiter Programmierer.