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Nachrichtenagentur ddp, 03/2003
Über 20.000 Besucher bei der sechsten Langen Nacht der Museen Gut gekleidete Damen mittleren Alters stehen leicht irritiert aber interessiert vor den Comic-Strips von Zeljko Bozicevic in der Galerie Oberwelt, während junge Besucher die etwas angegilbten Werke alter Meister im württembergischen Kunstverein betrachten und dabei Gedanken versunken an ihren Piercings herumspielen. Bei der „Langen Nacht der Museen“ findet ein Kulturaustausch statt. Über 20.000 Menschen nahmen am Samstagabend an der jährlichen Bustour zu Stuttgarter Museen und Galerien Teil. Ähnlich heterogen wie das Publikum ist auch das, was als Kunst an diesem Abend in Stuttgart gezeigt wird. Die großen Museen machen bei der nächtlichen Kulturschau mit, etablierte Galerien ebenso, aber auch Ateliergemeinschaften und Aktionskünstler. Insgesamt über 50 Häuser locken – so viele, wie noch nie. Die Besucher erwartet eine bunte Mischung aus manchmal etablierter, manchmal experimenteller Kunst, aus Musik, Performances und Partys. „Die Museen können sich so bei der Langen Nacht neue Publikumsschichten erschließen“, erklärt Organisatorin Anette Taube vom Stadtmagazin LIFT Stuttgart. Nach Berliner Vorbild veranstaltet das Stadtmagazin seit 1999 die Kulturnächte. Nicht nur die etablierten Museen und Galerien ziehen an diesem Abend die Besucher an. Selbstverständlich war das neu eröffnete Haus der Geschichte ein
Publikumsmagnet, ebenso wie der württembergische Kunstverein. Aber gerade die unkonventionellen Veranstaltungen machen den Reiz der nächtlichen Kult-Tour
aus. So wurden die Organisatoren vom großen Andrang im Haus des Waldes überrascht. Lesungen, Jazz-Musik und nächtliche Waldspaziergänge lockten so viele
Besucher nach Degerloch, dass zusätzliche Shuttle-Busse geordert werden mussten. In dieser Nacht werden auch neue Kunsträume für die Subkulturszene geschaffen. Die „Galeri Vexart“, sonst nur virtuelle Ausstellungsfläche im Internet, hat eine Fußgänger-Unterführung bezogen. Bilder aus geflochtenen Plastiktüten sollen Kritik am kapitalistischen Gesellschaftssystem üben. „Hier passt der Ausstellungsraum zum Bild“, erklärt Galerist Julius Ehret die Exponate in ungewohnter Umgebung. Selbst die Luft in dem niedrigen Gang wird Teil der Kritik: Es riecht nach den Verlierer unseres Wirtschaftssystems. Das scheint die unzähligen Besucher aber nicht zu stören. Sie schlendern an den Ausstellungsstücken vorbei, lauschen einer Didgeridoo unterstützten Lesung oder reden bei einer ungekühlten Flasche Bier direkt aus dem Kasten über die Stuttgarter Off-Szene. „Meine Erwartungen an den heutigen Abend sind weit übertroffen worden“, resümiert derweil der junge Galerist. Die Unterführung war immer gut besucht und das Fernsehen war auch da. „Sehr wahrscheinlich machen wir nächstes Jahr wieder mit“, plant Julius Ehret, „dann wird es aber ein anderer Raum werden – vielleicht eine Baustelle.“ |
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