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Stuttgarter Nachrichten, 02/2004
Highspeed-Internet portabel und mobil mit UMTS
Das Internet geht in die Luft
Seit einigen Jahren geistern die Begriffe UMTS und Mobilfunk der dritten Generation (3G) als Synonyme für atemberaubende Übertragungsgeschwindigkeiten in der mobilen Datenübertragung durch die Medien. Nun machen zwei Pilotprojekte aus der grauen Theorie beeindruckende Praxis. PortableDSL ist das europaweit erste kommerzielle Datenfunknetz im 3G-Standard und Vodafone zeigt mit der Mobile Connect Card, wie die schnelle neue UMTS-Welt werden könnte.
Die Schwaben sind bekannt für preisbewusstes Denken. Insofern dürfte die Meldung, dass in Stuttgart jede Menge Kabel beim Internet-Zugang gespart werden kann, viel Freude bereiten. Denn Ende vergangenen Jahres startete die Stuttgarter Airdata AG in der baden-württembergischen Landeshauptstadt PortableDSL.
Dahinter verbirgt sich ein portabler Internetzugang, der – ähnlich wie zukünftige UMTS-Handys – mit der schnellen Übertragungstechnik der dritten Mobilfunkgeneration (3G) arbeitet, die zusätzlich für die Datenübertragung optimiert wurde.
Während die derzeit beliebten Wireless-LAN-Modems (WLAN) nur in einem Radius von 100 bis 300 Meter um den eigentlichen Festnetz-Anschluss herum in dem so genannten „Hotspot“ funktionieren, erweitert PortableDSL diesen Bereich auf das ganze Stadtgebiet. So hält das Internet auch im Stadtpark oder im Straßencafé Einzug.
Die Datenübertragung arbeitet prinzipiell ähnlich wie bei Mobiltelefonen: Das Modem sendet zum nächst gelegenen Empfangsmasten. Von dort werden die Daten in das Netz des Internet-Providers eingespeist. In Stuttgart deckt das Funknetzwerk inzwischen 45 Quadratkilometer des Stadtgebietes ab, fehlende Gebiete sollen in den kommenden Monaten erschlossen, ebenso Funklöcher gestopft werden.
Ganz ohne Strippen geht es aber auch bei PortableDSL nicht. Das ca. 300g schwere Modem wird via Netzwerkkabel an den Computer oder das Notebook angeschlossen. Eine USB-Variante und eine PCMCIA-Karte für Notebooks sind allerdings schon in Planung. Etwa eine Stunde hält das Portmonee große, silberne Kästchen mit dem eingebauten Akku durch. Dann muss es zum Nachtanken wieder ans Stromnetz.
Interessant sind nicht nur die neuen Möglichkeiten, die ein transportabler Internet-Zugang bietet. Auch der Preis macht PortableDSL zu einer echten Alternative zum Festnetz-DSL. Monatlich müssen für die breitbandige Variante mit 768/128 KBit inklusive Flatrate knapp 45 Euro bezahlt werden. Ein DSL-Zugang inklusive Flatrate kostet bei der Telekom etwa 44 Euro –sofern ein ISDN-Anschluss vorhanden ist. Mit analogem Telefon zahlt der Kunde beim rosa Riesen sogar fast 50 Euro monatlich.
Mit diesen Konditionen zielt die Funkdatenübertragung auf den Konsumentenmarkt. Doch besonders diejenigen, die monatlich einen privaten und einen geschäftlichen Internet-Zugang bezahlen müssen, wie etwa Selbstständige, können bares Geld sparen. Nach Büroschluss oder an Wochenenden wird der DSL-Zugang einfach in die Tasche gesteckt und am heimischen PC wieder angeschlossen.
Bei all der Begeisterung für die neue Technik soll nicht verschwiegen werden, dass die theoretischen Geschwindigkeiten in der Praxis bislang nicht immer erreicht werden. Beim normalen Surfen durchs Internet und auch bei Videostreams ist PortableDSL einem Festnetzanschluss ebenbürtig. Nur bei Datei-Downloads erreicht der Funkzugang nicht immer die DSL typischen Übertragungsgeschwindigkeiten. Auch die Reaktionszeiten, etwa wenn der Nutzer eine Internet-Seite aufruft, ermittelt durch so genannte „Pings“, sind etwas schlechter als bei einem DSL-Zugang aus der Telefonbuchse, machen sich aber im Alltagsbetrieb nicht sonderlich bemerkbar. Dies liegt allerdings nicht zwangsläufig an der Funktechnik, denn so kurz nach der Markteinführung sind die Sendemasten in der Stadt noch kaum ausgelastet. Es ist wahrscheinlicher, dass der Flaschenhals hinter der Funktechnik im Netzwerk des Internet-Providers liegt.
Allerdings sammeln die Betreiber im Stuttgarter Pilotprojekt auch Erfahrungen, die ständig in die Verbesserung des bestehenden und der geplanten Netze in anderen Städten einfließen. Bis 2005 soll der Funkzugang nämlich in weiteren 30 Ballungszentren zur Verfügung stehen. Von Kiel, Hannover, das Ruhrgebiet über Berlin, Leipzig und Dresden, bis nach Augsburg und München sind die Stadtnetze geplant. Ein Augenmerk liegt bei der bundesweiten Erschließung auf Gebieten, die mit DSL-Zugängen unterversorgt sind – so etwa die Teile Ostdeutschlands, in denen das Telekom-Netz aus Glasfaserkabeln einen DSL-Festnetzanschluss unmöglich macht.
Ein weiteres Pilotprojekt macht den Highspeed-Internetzugang noch mobiler. Vodafone hat als erster Mobilfunkbetreiber den Test des eigenen, neuen UMTS-Netzes in größerem Stil aufgenommen. Die „Mobile Connect Card“, ein Funkmodem für den PCMCIA-Steckplatz des Notebooks, macht den Internetzugang noch flexibler. Denn während PortableDSL zwar mobil ist, aber nur stationär im Empfangsbereich des Stadtnetzes genutzt werden kann, funkt die Mobile Connect Card ähnlich wie ein Handy auch in einem fahrenden Zug und das bundesweit im Mobilfunknetz.
Mit dem Modem kann mit bis zu 384 KBit/s im Internet gesurft werden. Das ist zwar „nur“ halbe DSL-Geschwindigkeit, aber fast acht mal so schnell, wie es derzeit mit der GPRS-Handytechnik möglich ist. Die Datenrate reicht aus, um unterwegs zum Beispiel Videostreams aus dem Internet zu betrachten, auch wenn es im Praxistest manchmal zu kleinen Aussetzern und Bandbreitenschwankungen kam. Bis aber auch der Endkunde den mobilen Breitbandzugang nutzen kann, wird noch fast ein ganzes Jahr vergehen. Noch ist die UMTS-Technik einem Testerkreis aus Geschäftskunden und Journalisten vorbehalten. Auch die Kosten für den Highspeedzugang stehen laut Vodafone bislang noch nicht fest. Sollte aber wie bei der aktuellen GPRS-Technik das übertragene Datenvolumen berechnet werden, bleibt zu hoffen, dass der Mobilfunkbetreiber der höheren Übertragunsgeschwindigkeit Rechnung trägt und die Preise für jedes übertragene Kilobyte Daten geringer ansetzt. Denn höhere Geschwindigkeit ziehen unweigerlich höhere Datenmengen mit sich – sonst macht der mobile Geschwindigkeitsrausch keinen Sinn.
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